Freinet-Pädagogik in Kitas

Dialog

Begegnung statt Rechtfertigung, sich wahr- und ernstgenommen erleben, persönlich berührt werden, Sinn und Bedeutung spüren, miteinander denken, Überraschendes entdecken

Der Dialog ist eine besondere Form, miteinander zu kommunizieren.

Dialog ist mehr als ein Gespräch.
Das Ziel besteht nicht darin, dem Gegenüber die eigenen Sichtweisen, Meinungen und Einstellungen mitzuteilen oder ihn davon überzeugen zu wollen. Das Ziel ist vielmehr Verständigung, gegenseitige Bereicherung und Begegnung.

Im Dialog ist die Frage, wer Recht hat, unerheblich.
Dem Anderen als Lernende/r gegenüber zu treten bedeutet, eine innere Bereitschaft zu spüren, sich von ihm beeinflussen zu lassen. So kann ein gemeinsamer "Gedankenfluss" (Freeman Dhority) in Gang kommen, in dem beide Seiten von Anfang an davon ausgehen, dass es verschiedene Wahrheiten gibt und das Ende des Gesprächs vollkommen offen ist. Im Idealfall können die Grenzen des eigenen Weltbildes übersprungen werden. Die eigene Gedankenwelt kann sich für die des Anderen öffnen.

Dialog ist „Begegnung“ (Jacob Moreno, Martin Buber).  
Begegnung bedeutet gleichzeitig zweierlei: Ich bin offen für das Innenleben des Anderen, ich kann es annähernd erfassen, empathisch spüren, nachvollziehen und respektieren als sein Eigenes. Zugleich erlebe ich mich selbst in Aktion und Veränderung und habe das Gefühl, dass mein Gegenüber davon etwas spürt. Wir bezeichnen dies auch als ein Resonanzphänomen: als ein gegenseitiges „In-Schwingung-Geraten“.

Dialog ist eine Kultur des interessierten Fragens und des Zuhörens.
In einem gelingenden Dialog können neue Wahrheiten, Sichtweisen oder Einsichten entstehen. Es ist der Versuch, eine kreative Situation zu schaffen, in der Raum für Neues möglich ist. Damit ist der Dialog auch mehr als ein kommunikatives Methodenpaket. Er ist gleichzeitig Kultur und innere Haltung.

Die praktischen Schlussfolgerungen daraus sind enorm:
Den Teilnehmenden begegnen wir mit dialogischer Haltung. Wir halten sie für die ExpertInnen ihrer Lebenslage, ihrer beruflichen Praxis, ihrer Erfahrungen, ihres Wissens und ihrer Deutungen. Wir wissen: Ein dialogisches Klima entsteht nicht von alleine. Es braucht besondere Bedingungen, deren Bereitstellung wir als unsere Aufgabe betrachten. Kindern gegenüber vertreten wir die gleiche Haltung, nur so ist kindzentriertes Arbeiten möglich.  

Dialog, das bedeutet auf den Punkt gebracht:

"Ich bin nicht du. Ich weiß dich nicht!"

Michael Lucas-Möller

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